Das Cabinet des Dr. Caligari (1920)

 

 

 

(Quellen: www.archive.org, www.wikipedia.org)

 

Produktionsland DeutschlandProduktionsland DeutschlandOriginalsprache DeutschErscheinungsjahr 1920Länge 71 MinutenAltersfreigabe FSK 6

Die Handlung des Films ist in sechs Akte eingeteilt.

I. Akt

Zwei Männer unterhalten sich auf einer Gartenbank. Der Ältere erzählt Franzis, dem Jüngeren, dass ihn Geister von Haus und Familie vertrieben haben. Aus dem Hintergrund nähert sich Jane, die Verlobte von Franzis. Dieser entgegnet, dass er mit dem Mädchen eine weitaus seltsamere Geschichte erlebt habe, die er nun erzählt. Der Film blendet zurück:

In Holstenwall, Franzis’ Geburtsstadt, wird ein Jahrmarkt angekündigt. Franzis und sein Freund Alan wollen gemeinsam diese Veranstaltung besuchen. Zwischenschnitte zeigen, wie ein alter Mann – Dr. Caligari – durch die Stadt irrt. Er will bei der Stadtverwaltung die Erlaubnis erwirken, auf dem Jahrmarkt einen Somnambulen (Schlafwandler) vorzuführen. Der übel gelaunte Stadtsekretär verärgert Caligari, lässt ihn endlos warten und verweist ihn schließlich an einen anderen Beamten. Der erlaubt die Schaustellung.

II. Akt

In der Nacht ist der Stadtsekretär in seinem Bett erstochen worden. Vom Täter fehlt jede Spur.

Die beiden Freunde besuchen indessen das Volksfest und stehen bald vor der Bude des Dr. Caligari. Dieser preist marktschreierisch „Cesare, den Somnambulen“ an. Vor den Augen des Publikums wird er aus seiner Todesstarre erwachen! Neugierig geworden betreten Franzis und Alan das „Cabinet des Dr. Caligari“ und erleben, wie der „Somnambule“ erwacht. Da er „die Zukunft kennt“, fragt Alan, wie lange er leben werde. Antwort: „Bis zum Morgengrauen!“ Bedrückt entfernen sich die Freunde. Auf dem Heimweg sehen sie Jane. Franzis und Alan gestehen sich, beide das Mädchen zu lieben, sie aber zwischen ihnen wählen zu lassen. Dies solle jedoch ihrer Freundschaft keinen Abbruch tun.

Nacht. Alan schläft. Da taucht eine schattenhaft erkennbare Gestalt auf und dringt auf den Schlafenden ein. Sie kämpfen, Alan sinkt zurück.

III. Akt

Eine Frau teilt Franzis mit, dass Alan in der Nacht erstochen worden sei. Franzis erinnert sich sofort an die Prophezeiung des Somnambulen. Er verständigt die Wache und berichtet dann Jane und ihrem Vater, Dr. Olsen, von dem unheimlichen Mord. Dieser erwirkt von der Polizei die Ermächtigung, den Cesare zu untersuchen. Dr. Olsen und Franzis eilen zum Wohnwagen Caligaris. Der, sichtlich misstrauisch geworden, empfängt die beiden scheinbar freundlich und lässt die Untersuchung zu. Währenddessen schleicht durch die nachtdunklen Gassen von Holstenwall ein verdächtiger Mann. Er will in ein Haus eindringen, wird aber von Passanten überwältigt. Sie entwinden ihm einen Dolch und schleppen ihn zur Wache. Man ist überzeugt, mit diesem Mann den Doppelmörder bei seinem dritten Mordversuch gefasst zu haben. Dies erfahren Franzis und Dr. Olsen während Cesares Untersuchung, die sie daraufhin abbrechen. Sie verlassen den sichtlich erleichterten Caligari und eilen zur Wache.

IV. Akt

Im Verhör gesteht der Verbrecher, dass er eine alte Frau töten wollte: „… mit einem Stich in die Seite mit ebenso einem Dolch, um den Verdacht auf den geheimnisvollen Mörder zu lenken.“ Jane, durch das lange Ausbleiben des Vaters beunruhigt, sucht ihn bei Caligari. Der lädt sie ein, Cesare zu besichtigen. Entsetzt flieht sie bei dessen Anblick. Die Augen des Somnambulen folgen ihr.

In der Nacht schleicht sich Franzis wieder zu Caligaris Wohnwagen. Durch das Fenster beobachtet er den dösenden Caligari und den in seiner Kiste schlafenden Cesare. Zur gleichen Zeit aber streicht Cesare durch das Städtchen und dringt in Janes Schlafzimmer ein. Schon zückt er den Dolch, doch von der Schönheit des Mädchens überwältigt, lässt er ihn sinken und schleppt sie fort. Ihr Schreien weckt die Hausgenossen. Sie verfolgen den Fliehenden. Sie finden Jane am Wegrand liegend, der Täter entkommt unerkannt. Jane behauptet, Cesare habe sie überfallen, doch Franzis, eben vom Wohnwagen zurückgekehrt, beteuert, das könne nicht sein, da er die ganze Nacht den in der Kiste schlummernden Somnambulen beobachtet habe.

V. Akt

Auf der Wache verdächtigt Franzis den am Vortag inhaftierten Verbrecher. Doch der sitzt immer noch in seiner Zelle. Daraufhin dringt er mit der Polizei in den Wohnwagen ein: In der Kiste des Somnambulen liegt nur eine Puppe! Schäumend vor Wut flieht Caligari. Franzis verfolgt ihn. Die Flucht endet an einer Irrenanstalt. Dort erkundigt er sich nach einem Patienten Caligari. Doch keiner vom Personal kennt ihn. Deswegen wird Franzis an den Direktor verwiesen. Entsetzt erkennt Franzis in dem Direktor den Caligari. Er teilt dies sofort den Ärzten mit. Während Caligari ahnungslos in seiner Villa schläft, durchsuchen sie mit Franzis das Direktorenzimmer und finden ein altes Werk über Somnambulismus – „Sein Spezialgebiet“, wie einer der Ärzte bemerkt. Es enthält einen Aufsatz mit dem Titel: „Das Cabinet des Dr. Caligari“: Ein gleichnamiger „Mystiker“ hielt im Jahre 1703 die kleinen Städte Oberitaliens in Panik. Er veranlasste einen Somnambulen namens Cesare, den er vollständig unter seinen Willen gezwungen hatte, zu einer Serie von Morden. Durch eine dem Cesare getreu nachgebildete Puppe, die während dessen Abwesenheit im Kasten lag, verstand er es, jeden Verdacht von sich zu weisen.

Außerdem findet man im Büro ein Manuskript: „Mein Tagebuch“. Es beginnt: „Endlich … endlich! Heute meldete man die Einlieferung eines Somnambulen.“ In Rückblende zeigt der Film, wie sich dem Direktor durch diese Einweisung die lang ersehnte Möglichkeit bietet, den „unerbittlichen Drang“ seines Lebens zu erfüllen: das psychiatrische Geheimnis jenes Dr. Caligari zu lösen. Zu ergründen, ob es wahr sei, „dass ein Somnambuler zu Handlungen gezwungen werden kann, die er im wachen Zustand niemals begehen, die er verabscheuen würde…“, sogar zu einem Mord. Die Begeisterung des Direktors artet in zwanghafte Wahnvorstellungen aus: „Ich muss Caligari werden…“

VI. Akt

Noch während Franzis und die Ärzte über das Manuskript grübeln, wird Cesare gefunden und in das Büro des inzwischen zurückgekehrten Direktors getragen. Dieser bricht beim Anblick des toten Somnambulen zunächst zusammen, bäumt sich dann aber in hemmungsloser Wut auf, wird jedoch überwältigt, in die Zwangsjacke gesteckt und in eine Zelle eingesperrt.

Der Film blendet nun wieder auf die erste Szene des I. Akts vor, die Gartenbank mit Franzis und dem alten Mann. Franzis schließt seine Erzählung mit den Worten: „Und seit dieser Zeit hat der Wahnsinnige die Zelle nicht mehr verlassen.“ Beide entfernen sich und geraten auf den Hof der Irrenanstalt. Unter all den Irren sieht man Cesare, der eine Blume liebkost. Franzis warnt den alten Mann sich niemals von Cesare wahrsagen zu lassen, er wäre sonst tot, doch der Alte mustert ihn nur verständnislos und entfernt sich. Franzis erblickt nun die auf einem Thron sitzende Jane und macht ihr einen Heiratsantrag. Doch sie antwortet: „Wir Königinnen dürfen nicht nach unserem Herzen wählen.“ Plötzlich erscheint der Direktor der Anstalt: es ist derselbe wie vorher! Franzis stürzt sich auf ihn: „Er ist Caligari!“ Doch die Pfleger werfen sich auf Franzis, überwältigen den heftig Tobenden und schließen ihn in eine Zelle. Der Film endet mit den Worten des Direktors: „Endlich begreife ich seinen Wahn. Er hält mich für jenen mystischen Dr. Caligari. Und nun kenne ich auch den Weg zu seiner Gesundung.“

 

Stab

Regie Robert Wiene

Drehbuch Hans Janowitz,Carl Mayer

Produktion Rudolf Meinert,Erich Pommer

Musik Giuseppe Becce

Kamera Willy Hameister

Besetzung

Werner Krauß: Dr. Caligari

Conrad Veidt: Cesare

Friedrich Fehér: Franzis

Lil Dagover: Jane

Hans Heinrich von Twardowski: Alan

Rudolf Lettinger: Dr. Olsen

Hans Lanser-Ludolff: Alter Mann

Henri Peters-Arnolds: Junger Doktor

Ludwig Rex: Mörder

Elsa Wagner: Hauswirtin

Rudolf Klein-Rogge: Verbrecher