Oscar-Statuette © Davidlohr Bueso, Flickr

OSCARS 2018: Kontroversen dominierten, der Favorit räumte ab, ein Deutscher bekam einen Preis

05.03.2018

Die 90. Oscar-Verleihung in Hollywood wurde wie schon die Bären-Vergabe in Berlin von Kontroversen um #MeToo, Rassismus und Migration dominiert. Der Glamour und die Trophäen standen in diesem Jahr etwas im Hintergrund. Der große Favorit „Shape of Water“ gewann viermal. Auch Deutsche wurden geehrt: Gerd Nefzer bekam mit drei Kollegen den Oscar für die besten visuellen Effekte in „Blade Runner 2049“. Einen weiteren Preis gab es für eine Koproduktion mit deutscher Beteiligung.

Die Vergabe der Academy Awards verlief zum 90. Jubiläum vor allem im Schatten der Missbrauchsskandale in Hollywood. Moderator und Comedian Jimmy Kimmel versuchte das Thema mit Humor anzugehen und eröffnete die Gala mit zahlreichen Spitzen auf die goldene Ritter-Statuette mit Schwert und Filmrolle: „Oscar ist derzeit der beliebteste und am meisten respektierte Mann“, sagte der 50-Jährige. „Er hält seine Hände dort, wo man sie sehen kann. Und das beste ist: Er hat keinen Penis… Das ist ein Mann, von dem wir mehr in dieser Stadt brauchen.“ Prominente Schauspielerinnen hatten zuvor auf dem Roten Teppich vor dem Dolby-Theater in Hollywood kämpferische Stellungnahmen gegen die sexuelle Belästigung von Frauen abgegeben. Auch zwischen den Preisvergaben dominierte das Thema. Ashley Judd, Anabella Sciorra und Salma Hayek – alle haben Hollywood-Mogul Weinstein sexuelle Übergriffe vorgeworfen – kamen gemeinsam auf die Bühne, um die #MeToo-Bewegung zu würdigen. In den nächsten 90 Jahren sollten die unbegrenzten Möglichkeiten von Gleichberechtigung, Vielfalt und Inklusion gestärkt werden, sagte Judd.

„And the Oscar goes to…“

Als großer Favorit ging „The Shape of Water“ („Das Flüstern des Wassers“) ins Rennen um den begehrtesten Preis der Filmbranche. 13 Mal war der Fantasyfilm für einen Oscar nominiert. Am Ende gewann er vier Trophäen, darunter in den Kategorien „Bester Film“ und „Beste Regie“. Die Darsteller von „Three Billboards Outside of Ebbing, Missouri“, Frances McDormand („Beste Schauspielerin“) und Sam Rockwell („Bester Nebendarsteller“ für seine Rolle als rassistischer Kleinstadtpolizist) wurden ebenfalls geehrt. Beste Nebendarstellerin wurde Allison Janney („I, Tonya“) und bester Hauptdarsteller Gary Oldman für seine Churchill-Darstellung in „Darkest Hour“. Jordan Peele wurde mit „Get Out“ für das beste Drehbuch ausgezeichnet.

Es gab auch zwei deutsche Hollywood-Sieger: Spezialeffektkünstler Gerd Nefzer bekam den Goldritter für seine visuellen Effekte in der Neuauflage von „Blade Runner“. Die chilenisch-deutsch-amerikanische Koproduktion „Eine fantastische Frau“ gewann in der Kategorie „bester fremdsprachiger Film“.

Die beiden nominierten deutschen Filme „Watu Wote – All Of Us“ und „Revolting Rhymes“ gingen am Ende leer aus. Das Team um Regisseurin Katja Benrath und Produzent Tobias Rosen von der Hamburg Media School ging mit dem Abschlussfilm „Watu Wote – All Of Us“ in der Kategorie „Live-Action-Kurzfilm“ ins Rennen. Der Film gewann 2017 beim FILMZ – Festival des deutschen Kinos im Wettbewerb Mittellanger Film und basiert auf einem Vorfall im Jahr 2015 an der Grenze zwischen Kenia und Somalia, als sich bei einem Terrorangriff auf einen Reisebus Muslime schützend vor Christen gestellt hatten. Die deutschen Regisseure Jan Lachauer und Jakob Schuh gingen mit ihrem Trickfilm „Revolting Rhymes“ („Es war einmal…nach Roald Dahl“) in der Sparte „Animierter Kurzfilm“ in den Wettbewerb. Sie waren schon zum zweiten Mal beim Academy-Empfang dabei. Schuh hatte 2011 mit „Der Grüffelo“ Gewinnchancen, Lachauer 2014 mit „Room on the Broom“.

 

Oscar-Verleihungen 2018 © WELT, Youtube

 

Bester Film, beste Regie, beste Filmmusik, bestes Produktionsdesign: „The Shape of Water“

Das fantasievolle Kinomärchen „Shape of Water“ des mexikanischen Regisseurs Guillermo del Toro erzählt die Liebesgeschichte zwischen einer stummen Putzfrau und einem im Labor gefangenen und gefolterten Wasserwesen. „Shape of Water ist ein Märchen für unruhige Zeiten“, sagte del Toro. Angesagt wurde er als Gewinner von Faye Dunaway und Warren Beatty, den beiden, die im vergangenen Jahr zunächst den falschen Gewinner („La La Land“ statt „Moonlight“) verkündeten. Der mexikanischstämmige Del Toro nutzte seinen Auftritt, um für mehr Toleranz gegenüber Migranten zu werben. „Ich bin ein Immigrant – so wie viele andere hier auch“, sagte er. In den vergangenen Jahren habe er erfahren, dass Kunst es schaffe, immer mehr die Grenzen von Herkunft und Nationalität zu verwischen, „und wir sollten das fortführen“. Auch sein Gewinnerfilm über die Liebe einer zwischen einer Stummen und einem Hybridwesen kann als ein Aufruf für mehr Toleranz verstanden werden.

Beste Schauspielerin: Frances McDormand

Die 60-jährige Frances McDormand wurde für ihre Rolle als kämpferische Mutter nach der Ermordung ihrer Tochter für die beste Hauptrolle geehrt – zum zweiten Mal nach 1997, als sie mit „Fargo“ gewann. In ihrer Dankesrede griff McDormand den in der Filmbranche verbreiteten Sexismus auf. „An alle weiblichen Nominierten: Steht bitte mit mir auf“, so richtete sie sich an die Anwesenden. Als Meryl Streep und andere sich erhoben, forderte McDormand unter großem Beifall mehr Gleichberechtigung, mehr weibliche Hauptrollen und Lohngleichheit für weibliche Hollywood-Darsteller. „Wir alle haben Geschichten zu erzählen und Projekte, die finanziert werden müssen“, rief McDormand und forderte anschließend die Hollywood-Macher auf, diese Projekte schon in den nächsten Tagen mit den Frauen zu besprechen. Ihre Rede beendete sie mit zwei Worten: „Inclusion Rider“ – das ist eine Klausel, die Schauspieler und Schauspielerinnen in ihren Verträgen verlangen können und die besagt, dass es im Casting und in der Crew Diversität geben muss. Frauen, „LGBT’s“ (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender) und Menschen mit Behinderungen müssen demnach besonders berücksichtigt werden.

Bestes Drehbuch: „Get Out“

Nachdem Jordan Peele für seine Rassismus-Parabel „Get Out“ den Drehbuch-Oscar bekommen hat, den ersten für einen Afroamerikaner, möchte er von der Bühne zu seinem Platz zurückkehren, aber schafft es kaum – die Gratulanten stehen Schlange. Peeles Mystery-Horror-Thriller mit satirischem Einschlag erzählt von einem jungen Schwarzen, der mit seiner weißen Freundin einen Besuch bei deren Eltern absolviert. Er beginnt die zunächst freundliche und aufgeschlossene Art der weißen Gemeinschaft mit ihren schwarzen Dienstboten zu hinterfragen und stößt dabei auf ein grauenvolles Geheimnis.

Beste Spezialeffekte: „Blade Runner 2049“

Gerd Nefzer bekam zusammen mit drei Kollegen den Oscar für seine Spezialeffekte in „Blade Runner 2049“. Der Science-Fiction-Film wurde außerdem für die beste Kamera geehrt. Wie die „Bild“-Zeitung berichtete, ist der 52-Jährige Nefzer ein gelernter Landwirt aus Schwäbisch Hall. In den 60er-Jahren stieg er in das Familienunternehmen „Die Nefzers“ seines Schwiegervaters ein, das sich auf den Verleih von Filmautos und Filmwaffen konzentrierte und gelangte so ins Filmgeschäft. Nach der Wende eröffnete die Firma eine Zweigstelle in der Filmschmiede Potsdam-Babelsberg, wo er seither tätig ist. Nefzer hielt in Los Angeles die kürzeste Dankesrede: „Dankeschön. Germany. Thank you! Great!“

 

 

Liste der Oscar-Gewinner

Bester Film: „Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“

Bester Hauptdarsteller: Gary Oldman, „Die dunkelste Stunde“

Beste Hauptdarstellerin: Frances McDormand, „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“

Bester Nebendarsteller: Sam Rockwell, „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“

Beste Nebendarstellerin: Allison Janney, „I, Tonya“

Beste Regie: „Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“, Guillermo del Toro

Bester fremdsprachiger Film: „A Fantastic Woman“ („Una mujer fantástica“)

Bester Animationsfilm: „Coco – Lebendiger als das Leben!“

Bester Animationskurzfilm: „Dear Basketball“

Bestes adaptiertes Drehbuch: „Call Me By Your Name“

Bestes Originaldrehbuch: „Get Out“

Beste Kamera: „Blade Runner 2049“

Bester Ton: „Dunkirk“

Bester Tonschnitt: „Dunkirk“

Bester Filmsong: „Remember Me“ aus „Coco – Lebendiger als das Leben!“

Bestes Produktionsdesign: „Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“

Bestes Kostüm: „Der seidene Faden“, Mark Bridges

Bester Dokumentarfilm: „Icarus“

Bester Kurzdokumentarfilm: „Heaven Is a Traffic Jam on the 405“

Bester Schnitt: „Dunkirk“

Beste Maske: „Die dunkelste Stunde“

Bester Realkurzfilm: „The Silent Child“

Beste visuelle Effekte: „Blade Runner 2049“

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