Dieter Wedel beim Hessischen Film- und Kinopreis 2016. © JCS' / , via Wikimedia Commons

Weitere Vorwürfe gegen Dieter Wedel

27.01.18

Die Vorwürfe gegen den Regisseur Dieter Wedel schlagen immer größere Wellen. Vier Frauen beschuldigten in der Wochenzeitschrift „Die Zeit“ Wedel verschiedenster Vergehen – von Mobbing, über Schikane, Demütigung, Gewalt und sexueller Nötigung bis hin zu Vergewaltigung.

Die Schweizer Schauspielerin Esther Gemsch berichtete der Zeitschrift, Wedel habe im Rahmen der 1980 für den Saarländischen Rundfunk (SR) gedrehten Vorabendserie „Bretter, die die Welt bedeuten“ in seinem Hotelzimmer versucht, sie zu vergewaltigen. „Er setzte sich rittlings auf mich, packte meinen Kopf bei den Haaren und schlug ihn immer wieder aufs Bett, einmal auch an die Wand und dann einmal auf die Bettkante“. Gemsch (damalige Esther Christinat) sei dabei mit ihrem Halswirbel so hart auf die Bettkante geprallt, dass sie sich nicht mehr habe bewegen können. Außerdem habe Wedel ihr mit ihrem Schal die Kehle bis zur Atemnot abgeschnürt. Wegen ihrer schweren Verletzungen habe Gemsch den Dreh abbrechen müssen. Die Rolle wurde daraufhin mit Ute Christensen besetzt.

Auch Christensen berichtet der „Zeit“, sie sei 1981 während des Drehs von Wedel gemobbt und gedemütigt worden, nachdem sie eine Einladung auf sein Hotelzimmer ausgeschlagen habe. Sie sei damals im zweiten Monat schwanger gewesen. Nach 40 Drehtagen hätte sie dem Mobbing nicht mehr standgehalten und sei mit Nervenzusammenbruch und Unterleibsblutungen ins Krankenhaus gebracht worden. Dort habe sie ihr ungeborenes Kind verloren. Dem Saarländischen Rundfunk seien die Fälle bekannt gewesen, da sie schriftlich festgehalten wurden. SR-Intendant Thomas Kleist äußerte daraufhin in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, man habe einen Arztbericht gefunden, der die Aussagen der Frauen bestätige und wolle nun selbst in der Sache recherchieren.

Eine weitere Schauspielerin berichtete der „Zeit“ anonym, Wedel habe sie 1975 im Rahmen der Arbeiten der zu der NDR-Serie „Pariser Geschichten“ mit seinem Auto in ein Waldstück gefahren und dort vergewaltigt. Neben den betroffenen Frauen äußert sich in der „Zeit“ unter anderem der Schauspieler Michael Mendl zu den Vorwürfen gegen Wedel.

Zahlreiche Anschuldigungen lassen sich laut „Zeit“ durch Dokumente oder Aussagen von Zeugen am Filmset, von Freunden und Angehörigen der Frauen belegen. Sowohl Gemsch als auch Christensen hätten gegenüber der „Zeit“ eidesstattliche Versicherungen abgegeben.

Wedel möchte aufgrund seines nach eigenen Aussagen angeschlagenen Gesundheitszustandes keine Stellung zu den erneuten Vorwürfen nehmen. Er sei mit Herzanfall ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Schon im Zuge der „#MeToo“-Debatte wurden Wedel in einem Artikel des Zeit Magazins“ vom 3. Januar 2018 von mehreren Schauspielerinnen sowie ehemaligen Mitarbeitern unter Abgabe eidesstattlicher Versicherungen gewalttätige und sexuelle Übergriffe vorgeworfen, die er in den 1990er-Jahren begangen haben soll. Wedel dementierte laut einem Bericht der „Tagesschau“ die Anschuldigungen vehement und gab nach Angaben seines Anwalts seinerseits eine eidesstattliche Erklärung ab. Er verabscheue jede Form von Gewalt, sehe sich als Opfer einer medialen Vorverurteilung und wolle sich gegen die Veröffentlichung des Artikels juristisch zur Wehr setzen. Am 22. Januar erklärte Wedel unter Bezug auf die mediale Berichterstattung seinen Rücktritt als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele. Kurz darauf wurde in einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ bekannt gegeben, dass die Staatsanwaltschaft München Ermittlungen wegen des Anfangsverdachts einer nicht verjährten Sexualstraftat aufgenommen hat.

Bereits Ende November 2017 hatte sich Wedel in die „#MeToo-Debatte eingeschaltet und sich dabei selbst als Sexismus-Opfer dargestellt.

Als Fernsehregisseur machte sich Wedel einen Namen mit aufwendigen Mehrteilern. 1988 wurde „Wilder Westen inclusive“ gedreht, das mit einem Etat von 20 Millionen Mark das bis dato teuerste Fernsehspiel für den Westdeutschen Rundfunk. 1992 folgten „Der große Bellheim“, 1995 „Der Schattenmann“, 1998 seine wohl bekannteste Reihe „Der König von St. Pauli“, 2002 schließlich „Die Affäre Semmeling“, 2006 „Papa und Mama“ und zuletzt 2010 „Gier“.

 

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